10.10.2026
Albertus Magnus
Soest

Bei der Kirche mit Feuer war für alle Menschen ein Platz vorgesehen

Wahrscheinlich war jede schon einmal in dieser Situation: Ich plane eine Feier – z.B. einen runden Geburtstag oder eine Hochzeit – und dann stehe ich vor vielen Entscheidungen.

Welche Deko soll es sein? Was soll auf dem Tisch stehen? u.v.m. Eine der wichtigsten Fragestellungen bezieht sich wohl auf die Gäste. Wen lade ich ein? Wen möchte ich dabeihaben, aber genauso: Wer soll keine Teilhabe am Fest bekommen? Im zweiten Schritt erfolgen im schlechten Fall unerwartete Reaktionen, denn: Nach der Aussprache der Einladung sagen einige womöglich ab, manchmal – aus der persönlichen Sicht betrachtet – aus eher fadenscheinigen Gründen. Um diese Gedanken rankte sich im Oktober die Kirche mit Feuer, zu der Andrea Steinhoff in der neuen Saison das erste Mal wieder das Feuer in St. Albertus Magnus entzündete.

Das Gleichnis vom großen Mahl stand als Tagesevangelium in der Leseordnung. Gleich zu Beginn der Messe lud Mechthild Wohter ein, die Geschichte mal anders zu sehen, durch das Aufsetzen der Brille der Frauen. Während meist die Augen sich auf Könige, Mächtige, Herrscher richten, sollte es diesen Abend genau in die andere Richtung gehen. In den Kyrierufen – von Petra Meise vorgetragen – wurde betont, dass die Gemeinschaft aller in den Focus gesetzt werden sollte. Eine Besonderheit des Gottesdienstes folgte dann in der Form, dass die biblische Geschichte in zweifacher Weise vorgetragen wurde – einmal in traditioneller Art aus dem Lektionar von Vikar Jakob Ohm, ein zweites Mal vom Vorbereitungskreis, der explizit diejenigen erwähnte, die am Rande der Gesellschaft leben: Frauen, die unsichtbar Gemachten, die Erschöpften, die Armen und die Fremden – mit der logischen Konsequenz, dass durch ihr Kommen sich der Festsaal füllte sich mit einer bunten, lebendigen Gemeinschaft. Diese frohmachende Vielfalt griff Jakob Ohm in seiner Ansprache auf. Er benutzte das Bild vom Prisma, ein zunächst unscheinbarer Gegenstand, der jedoch, wenn man ihn ins Licht hält, seine Farbenpracht und Mannigfaltigkeit zum Ausdruck bringen kann. Und so sollte es doch auch immer in der Kirche zugehen – Einheit in bunter Verschiedenartigkeit – rief er der großen Gemeinde aufmunternd zu, die sich an dem Abend in dem Gotteshaus im Soester Norden versammelt hatte. Es sei doch schön, wenn sich zahlreiche Menschen am Tisch in der Mitte oder auch am wärmenden Feuer willkommen fühlen, meinte er mit Blick auf den Titel dieser Gottesdienstreihe, die seit Jahren immer wieder viele Teilnehmer aus nah und fern berührt, vor allem deshalb, weil sie mit großem Engagement vorbereitet wird.

Wichtig war der Vorbereitungsgruppe, dass diese Worte durch die Gemeinschaft auch sichtbar werden und genau das passierte im Anschluss an die Predigt. Beim Betreten der Kirche hatte jede ein buntes Bändchen bekommen, das nun am Altar oder Ambo platziert werden durfte – im stillen Gedenken an die Personen, die sich in den kirchlichen Strukturen noch nicht willkommen fühlen, für die es scheinbar keinen Platz gibt. Einzelne Bändchen fanden zudem ihren Platz in der Deko, die die Frauen im Vorfeld liebevoll hergerichtet hatten. In deren Mitte ragte die Figur der Würdekönigin hervor – gerade sie symbolisiert die Benachteiligten in Kirche, Gesellschaft, in der Welt. In der abschließenden Meditation wurde alles noch einmal auf den Punkt gebracht: Göttliche Weisheit schenkt Mut, aufeinander zuzugehen, füreinander einzustehen und wirklich jedem das Gefühl zu geben, das man willkommen ist.

Gestärkt mit vielen guten Impulsen wurden die Kirchbesucher mit Gottes Segen entlassen. Der Schlussapplaus galt nicht nur dem Vorbereitungsteam, bestehend aus Mitgliedern der drei Soester kfd‘s, sondern auch dem Kreis der jungen Sänger des Jugendchores Soest – Leitung: Stefan Madrzak –, die mit stimmungsvollen Liedern zum Gelingen wesentlich beitrugen sowie selbstverständlich Andreas Krüger, der stets die Fäden zusammenhält.  Wer Freude an diesem besonderen Gottesdienstformat hat, darf sich bereits den 14. November im Kalender eintragen. Zum Patronatsfest von Albertus Magnus gibt es die nächste Ausgabe der Kirche mit Feuer im Pastoralen Raum Soest. Die Kirchbesucher dürfen sich dann wieder in einer optimal illuminierten Kirche auf einen besonders gestalteten Gottesdienst freuen.

 

 

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