Pastoralverbund Soest

St. Pankratius

Die Bitt-Tage vor Christi Himmelfahrt 
(Bild: privat)







Ganz ländlich-katholisch fast vergessene Tradition sind die drei Tage vor Christi Himmelfahrt, die nach altem Brauch mit Bittprozessionen besonders gestaltet werden:

Stationen in den Orten, an Wegkreuzen in den Feldfluren oder besondere religiöse Zeichen laden ein, die Anliegen der Menschen betend vor Gott zu bringen. Oder besser gesagt: sie Jesus Christus bei seinem Weg heim zum himmlischen Vater mitzugeben. Die Themen sind dabei oft der Segen für die Früchte der Erde und die Bitte um gedeihliches Wetter; der Frieden in Zusammenleben und die Sorgen der notleidenden Menschen. Litanei-Gebete, Gesänge und Wechselrufe, Rosenkranz und Stille prägen die betende Weggemeinschaft, und bei der Rückkehr zur Kirche wird die Bittmesse in violett, der Farbe der Bußzeiten, gefeiert.

Will man Gott besänftigen? Hofft man auf Beeinflussung des Wetters durchs Gebet? Möchte man von Gott, unterstützt durch magische Beschwörung der Heiligen als Nothelfer, die Lösung der Probleme der Welt erhoffen? Als könnte eine große Hand vom Himmel alles regeln… Solch naive Vorstellungen dürften gewiss längst der Vergangenheit angehören. Und Bitten -und Danken- sind ja auch ein Ausdruck für eine Abhängigkeit, die der heutige selbstbestimmte Mensch lieber von sich weist.

Aber die Themen sind da - sind nicht etwa all diese Anliegen von Gott in die Hände der Menschen gelegt? Der Umgang mit der Schöpfung, das wissen wir in Zeiten des Klimawandels, hat ja wesentlich zu Verschiebungen und veränderten Verhältnissen geführt, von denen die ernte und die Versorgung des Menschen schließlich abhängig ist. Ob Frieden ist, liegt doch wirklich in menschlicher Hand – auch, wenn es dazu oft Bescheidenheit braucht und Demut, und die Bereitschaft zum Nachgeben und zum ersten Schritt auf den anderen zu. Die vermeintliche Gerechtigkeit gibt es nicht – aber die Gaben im doppelten Sinn: die Güter der Erde, die so ungleich verteilt sind, und die Begabungen und von Gott gegebene Möglichkeiten, die Not des anderen auch als eigenen Anspruch wahrzunehmen.

Und dann wird es manchmal echt schwierig: wenn wir jetzt selber die Verantwortlichen sein sollen für das Wohl und Wehe der Welt. Nein, da stoßen wir bald an unsere Grenzen. Wir würden uns übernehmen, und wären schon beim Anspruch viel zu überheblich.

Aber vielleicht geht es gemeinsam. Wenn der Mensch es wieder lernt, seine Grenzen anzuerkennen, aber die umso größeren Möglichkeiten Gottes annimmt – auch die Möglichkeiten, die ihm Gott gegeben hat. Wenn wir es wieder lernen, die Vorbilder im Leben aus dem Glauben zu betrachten: nicht Wunder und Zauber zu erwarten, sondern zu sehen, wie sie aus dem Glauben Kraft schöpften und Gutes bewirkten. Die „Allerheiligenlitanei“ möchte uns daran erinnern. Gerade in diesem Jahr fallen die Bitttage mit den „Eisheiligen“ zusammen: Unser Körbecker Pfarrpatron St. Pankratius, dessen Festtag heute ist, gehört zu den Gedenktagen, in deren Zeit oft noch Fröste fallen können, die Wachstum und ernten beeinflussen können.

Und schließlich zeigt der Mensch, der sich unter Gottes Segen stellt, seine Dankbarkeit, sein Vertrauen und sein gläubiges Bewusstsein, dass Gott mit uns, und bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führen kann.
 

Ludger EilebrechtIhr Pastor Ludger Eilebrecht
Pastor, Schwerpunkt Kirche am See und Möhnesee

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